MFT 2.0 vom programmorientierten Konzept zum individuellen und patient*innenorientierten Ansatz

Termin
13. bis 14. November 2020
Zeiten
FR 13:00 bis 19:00 Uhr
SA 09:00 bis 16:00 Uhr
Ort
Bildungshaus Schloss Krastowitz
Gottscheerstraße 1
9020
Klagenfurt
Unterrichtseinheiten
14 Unterrichtseinheiten
Fortbildungspunkte
14 Fortbildungspunkte
Seminarorganisation
Kompetenzzentrum BiWiFo
Zielgruppe
Logopäd_innen
Kosten
250,-- Euro für Mitglieder eines dem MTD-Dachverband angehörigen Berufsverbandes
450,-- Euro für Nicht-Mitglieder
Teilnehmerzahl
max. 20 Personen
Anmeldeschluss
Voraussetzungen
keine

PhDr. Karin Pfaller Frank, MSc

Inhalt

Im Bereich der orofacialen Funktionen ist es schwierig klar zu differenzieren, wo die
Normvariante endet und die Pathologie beginnt. Da es sich dabei um einen komplexen Regelkreis
handelt, der auf Trägerelementen wie Atmung, Tonus und Haltung – in Ruhe und bei Aktivität –
aufbaut, kann abgeleitet werden, dass sich orofaciale Funktionen nicht nur auf das orofaciale
System beschränken, sondern mit dem gesamten Körper in Resonanz sind. Da der orofaciale
Bereich ein hochkomplexes, dynamisches und interagierendes System aus so unterschiedlichen
Komponenten wie Muskeln, Gelenken, Zähnen und Nerven auf der einen Seite und
Unterbewusstsein, Emotionen, Wille und Absicht auf der anderen Seite ist, verlangt das Agieren
mit diesem „Instrument“ sehr viel Fingerspitzengefühl und logopädisches know how.
Die MFT muss das „ Übungsstadium“ verlassen und heute als ein multiaxiales
Interventionssystem betrachtet werden, welches den therapeutischen Wirkeffekt durch eine
mehrdimensionale Betrachtungs- und Herangehensweise erzielt. Daher sind eine multikriterielle
Diagnostik, sowie situationsangepasste Interventionen entscheidende Erfolgsfaktoren.
Folgende Punkte sollen im Speziellen behandelt werden:
• Funktionszusammenhänge und Wirkmechanismen
• Diagnostik, Therapieplanung, individuelle Zielsetzungen
• Ein – und Ausschlusskriterien
• Stabilität und Mobilität – ein roter Faden für die praktische Herangehensweise

Die Teilnehmer*innen greifen auf das Wissen der "einzelnen" Funktionen des orofazialen
Komplexes zu und verstehen die Wechselwirkungen, sowie die Interaktionsdynamik mit dem
gesamten Körper. Sie können für die praktische Behandlung von orofazialen Dysfunktionen unter
Einbeziehung von hierarchischen Komponenten die entsprechenden individuell auf die jeweiligen
Patient*innen abgestimmten, jeweils notwendigen Maßnahmen herleiten. Sie kennen die
wesentlichen Aspekte von Stabilität und Mobilität, von Stereognose, Sensibilität und Sensorik
und beziehen das systemorientierte Wissen von biologischen und neurofunktionellen
Zusammenhängen in die Therapieplanung mit ein. Harte und weiche Faktoren, sowie die Grenzen
des Machbaren werden erkannt.
Sie kennen das "soft tissue paradigma".

Die wechselseitigen Einflussfaktoren einzelner orofazialer Funktionen (z.B. Einfluss der
Lippenhaltung auf die Zungenhaltung),werden in den diagnostischen und therapeutischen Prozess
eingebaut.
Das Konzept "Stabilität vor Mobilität" leitet den eigenen logopädischen Weg
Die Interaktion von Struktur, Form und Funktion steht als "metakonzept" über der praktischen
Arbeit und kann angewendet werden
Zielformulierungen sowie Teilzielschritte werden systematisch in die tägliche logopädische
Arbeit eingebaut
praktische Übungen können einem hierarchischen Prinzip entsprechend aufgebaut werden.

Die Teilnehmer*innen erhalten kein neues Übungskonzept, da es davon bereits mehr als genug
gibt. Sie lernen den Fokus bei der Diagnostik und Gestaltung einer MFT auf die individuellen
patient*innenbezogenen Möglichkeiten, Grenzen und Ressourcen zu legen, die Übungen speziell
zu wählen und nicht im Sinne eines übungsgeleiteten Programmes - die Übung für die Störung- zu
legen.
Die „richtige“ Methode für die „falschen“ Patient*innen führt zu Misserfolg und eine Methode
für ALLE ist denkunmöglich. Notwendig ist es, die „richtige“ Methode für die „richtigen“
Patient*innen unter Miteinbeziehung sämtlicher individueller Kofaktoren, wobei eine
myofunktionelle Therapie „richtig“ verstanden eine hochkomplexe und multifaktorielle Aufgabe
ist, einzusetzen.

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